Amazonas Regenwald
Kann man nach Brasilien reisen, ohne in den Regenwald zu fahren? Ich habe spontan beschlossen: Nein. Bis vor zwei Wochen war überhaupt nichts geplant, dann habe ich spontan eine Reise organisiert. Leider ist es doch eine längere Reise von Botucatu aus in den Regenwald. Der Amazonas-Regenwald erstreckt sich über mehrere Länder in Südamerika, darunter Brasilien, Peru, Kolumbien, Venezuela, Ecuador, Bolivien, Guyana, Surinam und Französisch-Guayana. Er ist der größte zusammenhängende Regenwald der Welt. Mit fast sechs Millionen Quadratkilometern deckt er einen Großteil des Amazonasgebiets ab. Circa 60 Prozent davon liegen in Brasilien. Prinzipiell kann man an sehr vielen Stellen eine Amazonas-Tour machen, am einfachsten ist es jedoch von Manaus aus. Meine Hinreise sah wie folgt aus: Mit dem Bus von Botucatu zum Busbahnhof in São Paulo (4 h), dann mit dem Flughafenshuttle zum Flughafen (1 h) und schließlich mit dem Flugzeug nach Manaus (4 h). Ich kam abends an und verbrachte eine Nacht im 4er-Zimmer im Hostel für nur 14€ die Nacht, glücklicherweise war ich alleine im Zimmer. Am nächsten Morgen wurde ich um 8 Uhr abgeholt und mit dem Auto zum Hafen gebracht. Von dort aus ging es 25 Minuten mit dem Speedboot quer über den Amazonas. Anschließend fuhren wir 1,5 Stunden auf unbefestigten Straßen in einem alten Bulli. Dann mussten wir wieder in ein Speedboot umsteigen und fuhren 30 Minuten auf dem Mamori, einem Seitenfluss des Amazonas, zur Dolphin-Lodge.





Bei der ersten Speedbootfahrt gibt es eine Besonderheit. Vor Manaus findet das "Encontro das Águas" (Treffen der Wässer) statt. Hier fließen der Rio Solimões, so wird der Oberlauf des Amazonas bis zu dieser Stelle genannt, und der Rio Negro zusammen. Doch diese gewaltigen Wassermassen fließen nicht sofort ineinander, sondern etwa elf Kilometer lang in demselben Flussbett nebeneinander, bis sie sich so vermischen, dass der Fluss eine einheitliche Farbe aufweist. Dafür gibt es mehrere Gründe: Der Rio Negro hat mit 3,5 einen stark sauren pH-Wert, der von den im Wasser vorhandenen Huminstoffen herrührt. Der Rio Solimões hat mit 7,5 einen schwach basischen pH-Wert. Zudem fließt der Rio Solimões mit 7,5 Kilometern pro Stunde, der Rio Negro mit 2,5 Kilometern pro Stunde deutlich langsamer. Aufgrund der unterschiedlichen Farben der beiden Flüsse unterscheiden sich auch deren Temperaturen. Der lehmig-weiße Rio Solimões reflektiert das Sonnenlicht und erreicht maximal 22 Grad Celsius, während der schwarze Rio Negro das Sonnenlicht absorbiert und gelegentlich über 28 Grad Celsius warm wird. Aufgrund der unterschiedlichen Temperaturen der Flüsse unterscheiden sich auch deren Dichten deutlich. All dies sind Gründe, warum es so lange dauert, bis sich die beiden Flüsse vermischen. Die farbliche Grenze ist sowohl auf Satellitenbildern als auch von Schiffen aus deutlich zu sehen. Wir haben extra angehalten, der Fahrer hat uns die Gründe erklärt und wir konnten unsere Hände ins Wasser halten, um die unterschiedlichen Temperaturen zu spüren.

Meeting of the water
Das Hostel selbst war sehr süß mit einem offenen Außenbereich und Frühstück auf der Dachterrasse des Palacio Rio Negro.




Nach der Ankunft gab es zur Begrüßung erst einmal einen Caipirinha. Insgesamt war ich drei Tage dort und jeder Tag sah ungefähr so aus. Um 7 Uhr gab es immer Frühstück und ab 8 Uhr stand eine Aktivität auf dem Programm. Zurück in der Lodge gab es um 12 Uhr Mittagessen, dann etwas Pause und um 15 Uhr wieder eine Aktivität. Einmal haben wir auch eine Tour zum Sonnenaufgang um 5:30 Uhr und einmal eine Tour am Abend ab 19 Uhr gemacht. Morgens war es immer sehr schwülwarm, sodass ich förmlich zerflossen bin. Pünktlich zur Mittagspause hat es dann geschüttet – es heißt ja nicht umsonst Regenwald. Danach hat es merklich abgekühlt und die Luft war eher trocken. Das hat sich jeden Tag wiederholt. Ich habe viele Bootstouren gemacht, war Piranha-Angeln und habe Wandertouren zu Fuß gemacht. Ich habe hunderte Pflanzenarten kennengelernt, an ihnen gerochen oder sie sogar probiert und etwas über ihre Verwendung und Verarbeitung erfahren. Ich habe sehr viele Flussdelfine, ein Faultier, viele Affen und Vögel und ,meiner Meinung nach, zu viele Insekten, gesehen.. Außerdem habe ich verschiedene Fische, Kaimane und Frösche gesehen. Ich habe gelernt, wie man Kautschuk gewinnt und verarbeitet. Ich war auf einer Plantage mit den unterschiedlichsten Pflanzen und habe etwas über die Herstellung von Maniokmehl gelernt. Außerdem habe ich sehr viele nette Menschen kennengelernt. Insgesamt war es eine sehr schöne, abenteuerreiche Zeit!





Wenn sich der Wasserpegel je nach Jahreszeit so drastisch ändert, gibt es zwei Möglichkeiten: ein schwimmendes Haus (links) oder ein Haus auf Stelzen (rechts).







Links der graue, kleinere Flussdelfin, den man bei jeder Bootstour mehrfach gesehen hat Rechts der deutlich größere pinke Flussdelfin, ohne richtige Rückenflosse und deutlich scheuer















Kautschukherstellung: Der Saft eines Kautschukbaums wird aufgefangen, über eine Form gegossen und in Rauch gehalten. Anschließend muss das Ganze noch eine Woche trocknen.



Links: Die Jambu-Pflanze, aus der der lustige Alkohol hergestellt wird. Mitte: Wir gönnen uns auf der Plantage eine köstliche Ananas, die wir mit der Machete auf einem Blatt schneiden. Rechts: Maniok wird geerntet, geschält, eingeweicht, gerieben, gepresst und schließlich in der großen Pfanne getrocknet, um Maniokmehl herzustellen.


Damit dieser Beitrag nicht viel zu lang wird, erzähle ich von Manaus und meiner restlichen Woche im nächsten Beitrag.