Pantanal
Nach einer halbtägigen Reise kommen wir am Nachmittag am Flughafen an. Er liegt offiziell in Várzea Grande, versorgt aber Cuiabá, die Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso, mit. Von hier aus wollen wir das Pantanal erkunden. Es ist das größte Binnenfeuchtgebiet der Welt und beherbergt eines der artenreichsten Ökosysteme der Erde. Es handelt sich um ein riesiges, saisonal überflutetes Schwemmland mit Savannen, Flüssen und Sümpfen, das überwiegend in Brasilien liegt, aber auch nach Bolivien und Paraguay reicht. Um zu unserer Lodge zu gelangen, müssen wir jedoch noch 140 km zurücklegen, einen Teil davon auf der Transpantanera, einer Schotterstraße, die mitten durch das Pantanal führt. Hier kann man bereits viele Tiere beobachten. Sobald wir den klimatisierten Van verlassen, der uns vom Flughafen abgeholt hat, schlägt uns die Hitze entgegen. Jetzt muss ich meine Aussage leider revidieren, dass es hier immer kalt ist und ich immer friere. Das mag vielleicht auf Botucatu und São Paulo zutreffen, aber definitiv nicht auf Cuiabá. Hier sind es aktuell 48 (!) Grad, und in der Nacht kühlt es auch nur auf 35 Grad herunter. Ohne Klimaanlage ist an Schlaf leider nicht zu denken. Nach unserer Ankunft begrüßen uns die Capibaras, die vor unserer Lodge grasen. Nach dem Abendessen fallen wir nur noch ins Bett. Am nächsten Morgen geht es sehr früh weiter. Für die Sonnenaufgangstour wandern wir bereits um 5 Uhr morgens los und klettern auf einen Aussichtspunkt, von dem aus wir Tiere beobachten können. Von dort aus beobachten wir viele verschiedene Vögel und den wunderschönen Sonnenaufgang. Obwohl es morgens kühler ist als tagsüber, fließt auch jetzt schon der Schweiß in Strömen.





Nach dem Frühstück geht es direkt zum nächsten Abenteuer: einer Reittour. Auf unseren geduldigen Tieren – Dennis hatte ein Maultier – erkunden wir die Landschaft. Das ist bei brennendem Sonnenschein und in der Hitze auch eine Herausforderung. Leider sehen wir keine besonderen Tiere. Kaimane und Capibaras sieht man hier jedoch überall. Trotzdem genießen wir die Tour, und Dennis ist überglücklich, dass er die Pferde und Esel streicheln kann. Zwischen jeder Tour und jeder Mahlzeit verschwindet er zum Pferdestall, um seine Lieblinge zu verwöhnen. Nach einer langen Mittagspause geht es um 15 Uhr zu einer weiteren Wanderung los. Wir klettern auf einen anderen Aussichtsturm und gehen an einem kleinen See vorbei. Hier sehen wir während des Sonnenuntergangs Riesenotter! Leider sind sie weit weg, aber wir können trotzdem ihr wildes Herumtollen und ihre lustigen Geräusche beobachten.




All diese Tiere können wir von unserer Lodge aus beobachten. Kaimane und Capibaras leben in großer Zahl im und am kleinen Teich hinter der Lodge. Hier leben auch ein Pärchen Blauaras und ein Gelbbrustara. Unter dem Pferdestall soll sich außerdem ein Gürteltier aufhalten, doch trotz langer Wartezeit bekommen wir es leider kein einziges Mal zu Gesicht.



Wir verzichten auf die Nachttour, da wir am nächsten Morgen um 4:30 Uhr zum Höhepunkt unserer Reise aufbrechen. Heute geht es auf zur Jaguarsafari! Zunächst müssen wir 120 km die Transplantanheira entlang nach Porto Jofre fahren. Porto Jofre ist kein klassischer Ort, sondern eine Ansammlung von Lodges, kleinen Hotels und Fischerstationen am Ufer des Rio Cuiabá. Hier endet die Transpantaneira, denn die Straße hört buchstäblich auf, weil das Land vom Fluss und den Sümpfen verschluckt wird. Von hier aus gehen wir an Bord eines Bootes und fahren stundenlang durch die Gegend, in der Hoffnung, einen Jaguar zu sehen. Bei unserem ersten Boot fällt direkt der Motor aus, sodass wir auf ein anderes ausweichen müssen, das leider kein Dach hat. Zum Glück ist es etwas bewölkter als gestern, brüllend heiß ist es jedoch trotzdem. Je länger wir ohne Erfolg suchen, desto schlechter wird die Stimmung. Doch auch eine Bootstour ist schön, wir sehen viele Vögel, Kaimane und Capibaras. Kurz bevor wir aufgeben wollen, erreichen wir die Nachricht, dass nicht weit von uns ein Jaguar gesichtet wurde. Wir düsen so schnell wir können hin und werden sofort belohnt. Ein Jaguar schwimmt entspannt vor uns durch den Fluss. Er schwimmt noch ein Stück am Ufer entlang und sucht nach einem geeigneten Platz, um die Böschung hochzuklettern. Was wir machen, interessiert ihn überhaupt nicht. Gemächlich klettert er die Böschung hinauf und verschwindet im Unterholz. Ein kurzes, aber wahnsinnig beeindruckendes Erlebnis!


Auf dem Rückweg beginnt es stark zu regnen und die Schotterstraße verwandelt sich in eine Rutschpartie. So brauchen wir ewig und sind erst um 18 Uhr wieder an der Lodge. Leider hat Dennis etwas zu viel Sonne abbekommen, weshalb wir früh ins Bett gehen. Eine Nachttour gibt es wegen des Regens ohnehin nicht. Am nächsten Morgen lassen wir die Sonnenaufgangstour ausfallen und „schlafen aus” bis Viertel vor sieben. Danach unternehmen wir eine morgendliche Wanderung. Wir lernen viel über die Pflanzenwelt und die Gefahren, die das Pantanal durch den Menschen, insbesondere durch den Goldabbau, drohen. Dieser verbraucht sehr viel Wasser, das dem Pantanal als Feuchtgebiet dann fehlt, und es wird giftiges Quecksilber verwendet. Leider sehen wir keine besonderen Tiere. Am Nachmittag unternehmen wir eine gemütliche Bootstour. Immer zwei Personen sitzen in einem Ruderboot, sodass wir ungestört über den Fluss paddeln können. Auf dem Rückweg erlebt Dennis noch sein persönliches Abenteuer. Unser Guide lässt ihn den Van über die Transplantaneiera fahren! Natürlich bringt er uns sicher nach Hause.



Der Jabiru-Storch, der Nationalvogel des Pantanals
Achtung, Spinnen- und Schlangenwarnung!
Nach dem Abendessen brechen wir zur Nachtwanderung auf. Hier sehen wir viele nachtaktive Tiere, darunter Schlangen und Spinnen, von denen einige sehr giftig sind. Außerdem sehen wir viele Frösche und Kröten. Das war sehr spannend. Leider fliegen nach dem vielen Regen auch sehr viele Moskitos, Termiten und andere Insekten, sodass wir praktisch in einem Insektensturm stehen und ständig angeflogen werden. Nachts sieht man auch, wie viele Kaimane tatsächlich in einem Teich liegen, da ihre Augen aufleuchten. Es sind sehr viele und man kann sich ihnen bis auf wenige Zentimeter nähern, da sie Menschen normalerweise nicht angreifen, sondern eher fliehen.




Heute war unser letzter Tag und morgen geht es für uns weiter nach Rio de Janeiro.