Herzchirurgie und Wasserfälle

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Herzchirurgie und Wasserfälle

Ich habe das letzte Wochenende sehr ruhig angehen lassen. Ich habe viel in meiner Hängematte gelegen und gelesen und ein bisschen Haushalt gemacht. Da hier natürlich alles nach brasilianischer Art abläuft, habe ich es aufgegeben, frühzeitig Pläne fürs Wochenende zu machen. Ich warte einfach ab, bis mich jemand anschreibt und fragt, ob ich Lust habe, irgendwohin mitzukommen. Das hat auch dieses Mal gut funktioniert. Am Samstag war ich mittags mit einem Brasilianer und zwei Ägyptern in einem Restaurant mit toller Aussicht essen. Die hügelige Landschaft macht es für mich zwar nicht leichter, irgendwohin zu gehen, aber fast jedes Restaurant hat eine tolle Terrasse mit Ausblick. Für mich gabs Filé à Parmegiana - ein brasilianisches Gericht aus paniertem Fleisch mit Tomatensauce und viel Käse überbacken, serviert mit Reis und Pommes. Natürlich gibt es immer zu allem Reis. Auf dem Rückweg über die nicht asphaltierte Straße haben wir ein hübsches Pferd am Straßenrand gesehen. Dabei kam heraus, dass die beiden Ägypter noch nie ein Pferd gestreichelt hatten. Natürlich mussten wir anhalten und ihnen erst einmal zeigen, wie man ausgiebig Pferde und Hunde kuschelt. Einer von ihnen ist jetzt ein wahrer Tierfreund, der andere hat nach einiger Zeit lieber im Auto gewartet. Nach so viel Abenteuer haben wir uns erst einmal ein richtig italienisches Eis gegönnt. Es war wirklich traumhaft lecker, und die Hörnchen konnte man sich mit flüssiger Schokolade füllen lassen. Ich hatte unter anderem die Sorte „Passionsfrucht”. Die war wirklich lecker, aber merkwürdigerweise hatten sie die Kerne im Eis gelassen, sodass ich zu meinem cremigen Eis noch knusprige, knackende Stückchen dazu hatte. Ich bin es nicht gewohnt, dass mein Eis knuspert. 

Anschließend bin ich mit einer Peruanerin und einer Brasilianerin noch in eine Bar mit Live-Band gegangen. Ich habe einen Caipirinha getrunken und wir haben zu der Musik, die vor allem Trommeln enthielt, getanzt. Als Snack gab es frittierten Käse mit Guavaketchup. Eine Brasilianerin, die wir dort kennengelernt haben, hat darauf bestanden, mit uns Cachaça de Jambu zu trinken. Cachaça ist der übliche weiße Rum, der aus dem hier überall wachsenden Rohrzucker gewonnen wird. Das Besondere dabei ist jedoch Jambu. Jambu ist eine Pflanze aus dem Amazonasgebiet, die besonders in der nordbrasilianischen Küche beliebt ist. Im Englischen wird sie auch „Toothache Plant” genannt, was auf ihre Wirkung zurückzuführen ist. Sie enthält den Wirkstoff Spilanthol, der eine lokalanästhetische Wirkung besitzt. Das heißt, wenn man einen Shot davon trinkt, fängt der Mund sehr lustig an zu kribbeln und man hat ein einzigartiges, lustiges Erlebnis. Ich werde versuchen, etwas davon mit nach Deutschland zu bringen, damit ihr es auch mal ausprobieren könnt!

Am Sonntag bin ich mit dem Brasilianer und den beiden Ägyptern wieder zu einem Wasserfall geklettert. Der Weg dorthin war nicht ganz ohne und man muss ihn zur Hälfte barfuß oder in Flipflops gehen, da man durch das Flussbett läuft. Dort sind wir unter den Wasserfall geschwommen und haben die Zeit einfach ein bisschen genossen. Auf dem Rückweg kamen wir an süßen Kühen vorbei. Abends bin ich mit meine Student-Buddy noch schnell was Essen gegangen, weil bei meinem Wasserfall-Abenteuer leider das Mittagessen drauf gegangen ist.

Diese Woche bin ich in die Herzchirurgie gewechselt. Hier werden fast täglich Operationen am offenen Herzen durchgeführt und ich verbringe den ganzen Tag im OP (und friere). Diese Woche habe ich außerdem meine Buskarte erhalten und mich zum ersten Mal an das Abenteuer „öffentlicher Nahverkehr” gewagt. Der Rückweg vom Krankenhaus hat auch ganz gut funktioniert, obwohl wir zwischendurch in die aus meiner Sicht falsche Richtung gefahren sind. Auf dem Hinweg bin ich bisher gescheitert. Ich bin mir unsicher, ob ich an der falschen Stelle stand oder ob der Bus anders als geplant gefahren ist. Beides ist möglich, denn außer bei Google Maps gibt es keine Pläne. Im Bus selber gibt es extra Drehtüren, damit ja alle bezahlen.

Morgen gehe ich wandern und muss dafür um 4:30 morgens aufstehen...ich freue mich schon.